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In den Sechziger- bis Achtzigerjahren waren in Unternehmen statt PCs
(der erst 1981 von IBM entwickelt wurde) nur einfache Terminals zu
finden, die über ein Netzwerk an einen Großrechner, so genannt
Mainframes, angeschlossen waren. Diese Mainframes waren bereits
damals mehrbenutzerfähig.
Die Terminals beherrschten nur die Eingabe per Tastatur und Ausgabe
auf einem Bildschirm. Eine grafische Benutzeroberfläche und eine
Maus gab es zu dieser Zeit noch nicht und die eigentliche
Datenverarbeitung fand auf dem Mainframe statt. Ein solches Terminal
verfügte folglich über keine nennenswerte Rechen- bzw.
Verarbeitungsleistung.
Dieses Verfahren hatte große Vorteile: Die Endgeräte für den
Benutzer waren recht preiswert, denn sie verfügen nur über wenige
Bauteile, die einen Ausfall verursachen konnten. Im Defektfall
wurden sie einfach ausgetauscht und der Benutzer konnte weiter
arbeiten. Eine lokale Installation von Software entfiel daher
ebenfalls, was den Wartungsaufwand stark reduzierte. Im Laufe der
Jahre wurde die rein textbasierte Terminal-Technik von PCs
verdrängt.
Server Based Computing setzt aber genau dort an, wo die alte Technik
aufhörte. Moderne Technologien werden heute auf das Prinzip der
damaligen Terminal-Mainframe-Architektur abgebildet.
Der Unterschied zu damals liegt in der Art der
Benutzerschnittstelle. Heutzutage werden Eingaben des Anwenders mit
spezieller Software auf dem lokalen PC oder mit einem
Thin Client an
den Server übermittelt und dessen Rechenleistung zur Verarbeitung
genutzt.
Ein Thin Client ist laut Definition eine Anwendung oder ein
Kleincomputer, dessen Funktionalität auf Ein- und Ausgabe beschränkt
ist. Die Verarbeitung der Benutzereingaben und der Daten erfolgt wie
bereits oben erwähnt auf einem Server. Diese Server werden in
Anlehnung an die Ursprünge dieser Technik Terminalserver genannt.
Das Konzept sieht vor, dass ein solcher Client möglichst keine
Verarbeitungsaufgaben selbst übernimmt. Beispiele hierfür sind der
Microsoft® Terminal Server™ und der Citrix® Presentation Server™.
Ein Thin Client enthält einen kleinen Computer, der ein stark
abgespecktes Betriebssystem im eingebauten Flashspeicher besitzt,
oder aber sein Betriebssystem über das Netzwerk bootet. Diese
Clients besitzen keine Laufwerke, auf denen Daten gespeichert werden
könnten. Ihre Aufgabe besteht darin, eine grafische Oberfläche zur
Verbindung mit einem Terminalserver zu bieten.
Thin Clients sind auch auf Softwarebasis erhältlich. Ein einfaches
Beispiel hierfür ist der in Windows® integrierte Remotedesktop oder
das technisch identische Produkt von Citrix®. Mit diesem Client kann
man sich auf einem entfernten Windows®-PC oder -Server anmelden und
erhält so eine vollständige und gewohnte Arbeitsumgebung.
Heutige Thin Clients besitzen nebenbei die Fähigkeit, je nach
Berechtigung externe Datenträger oder lokale Drucker in das System
einzubinden. Ebenso sind je nach Betriebssystem externe
Zugangssysteme für die Anmeldung möglich, wie zum Beispiel Smartcard-Reader oder Fingerabdruckscanner. Selbst Audioein- und
ausgabe ist möglich, beispielsweise für Sprachverbindungen oder
Textdiktate.
All diese Gesichtspunkte machen Thin Clients
im Gegensatz zu PCs zu
sehr sicheren und wartungsarmen Lösungen.
Gerade in punkto Softwareverteilung ist das Konzept überlegen: Neue
Software und Updates müssen nur noch auf dem Terminalserver
installiert werden. Dadurch erhält jeder Benutzer automatisch die
neueste Version. Anders als bei PCs muss nicht mehr geprüft werden,
ob auch alle Clients die gleiche Softwarebasis aufweisen: jeder
Client hat den aktuellsten Service Pack und die gleichen
Betriebssystemupdates, die gleiche Office-Version, die gleiche
Datenbankversion und die gleiche GUI-Version der ERP-Software.
Die hochgradige Skalierbarkeit trägt ebenfalls zum Vorteil des
Konzepts bei. Neue Arbeitsplätze sind in kürzester Zeit
eingerichtet, es muss lediglich der Thin Client aufgestellt und eine
Netzwerkverbindung gewährleistet werden.
Auch der Produktlebenszyklus verlängert sich immens und damit auch
indirekt die Anschaffungskosten. Ein
Thin Client ist vom steigenden
Ressourcenverbrauch neuer Software faktisch nicht betroffen und
damit viel länger einsetzbar als PCs. Selbst wenn veraltete und
langsame PCs per Software als Thin Clients verwendet werden (oft aus
Abschreibungsgründen), müssen diese nicht mehr Leistung bieten als
für die Verbindung zum Server und der Bedienung des GUI erforderlich
ist.
Außerdem kann die Hardware solcher Clients nicht durch Schadsoftware
in irgendeiner Form angegriffen werden, was sie in dieser Hinsicht
völlig immun macht. Der Sicherheitsaufwand für die Clients selbst
liegt also bei Null.
Durch eine Management-Software ist es dem Support möglich, einzelne
Thin Clients zu verwalten, wie zum Beispiel die Verbindung zum
Terminalserver. Auch die integrierte Firmware der Clients kann aus
der Ferne aktualisiert werden. Der jeweilige Arbeitsplatz muss also
physikalisch nicht mehr aufgesucht werden.
Allerdings haben solche Thin-Client-Infrastrukturen auch gewisse
Nachteile.
Ein Server mit einer Dual-Core-CPU und 4 GB RAM kann etwa 6-8
Clients problemlos bedienen, wenn man davon ausgeht, dass nur
relativ genügsame Anwendungen wie Office und ERP eingesetzt werden.
Wenn hunderte oder sogar tausende Arbeitsplätze bedient werden
müssen, muss eine Serverfarm aufgestellt werden, um weiterhin eine
hohe Verarbeitungsleistung zu gewährleisten. Des Weiteren kann ein
einzelner Anwender die gesamte Rechenleistung beanspruchen, so dass
die anderen angemeldeten Benutzer nicht mehr vernünftig arbeiten
können.
Für jeden einzelnen Server fallen jedoch hohe Lizenzgebühren an, die
auch von der Anzahl der gleichzeitig arbeitenden Benutzer abhängen.
Bei den Lösungen von Microsoft® und Citrix® sind außer den
Lizenzgebühren auch kostenpflichtige CALs notwendig, wenn sich mehr
Benutzer anmelden wollen als in der Basislizenz vorgesehen ist. Die
Wartungs- und Betriebskosten schlagen ebenfalls mit recht hohen
Beträgen zu Buche. Wenn PCs mit Thin-Client-Software eingesetzt
werden, sind die Einzelplatzlizenzen für Windows ebenfalls
einzukalkulieren.
Ein weiteres Problem ist die vom Unternehmen eingesetzte Software.
Nicht jeder Hersteller hat seine Anwendungen so programmiert, dass
sie ohne Probleme auf Terminalservern laufen. Und nicht jedes
Unternehmen ist gewillt, ein zeit- und kostenintensives Upgrade zu
starten, wenn die ältere Version anstandslos ihren Dienst
verrichtet.
Nicht selten kommt es vor, dass ein Softwarehersteller den Einsatz
seines Produktes in Terminalumgebungen aufgrund der
Lizenzbestimmungen untersagt, Stichwort: Einzelplatzlizenz. Wenn
überhaupt, ist eine Lizenzerweiterung oft mit hohen Gebühren
verbunden.
Seit einigen Jahren tritt eine Technik namens Virtualisierung
verstärkt in den Vordergrund. Mit ihr ist es zum Beispiel möglich,
einen kompletten, virtuellen PC innerhalb eines laufenden
Betriebssystems zu betreiben. Auf dieser so genannten „virtuellen
Maschine“ (VM) lässt sich ein vollwertiges Gast-Betriebssystem
installieren, das völlig abgeschottet vom Host-Betriebssystem
arbeitet.
Dabei werden Komponenten wie CPU und Netzwerkverbindung geteilt,
während Ressourcen wie RAM und Festplattenplatz in der Regel als
Kontingent zugewiesen werden. Das Host-Betriebssystem, also der
Wirt, hat keinen unmittelbaren Einfluss auf das Gastsystem und
umgekehrt. Es lassen sich natürlich auch mehrere Gastsysteme
gleichzeitig installieren und betreiben, je nach Hardwareausstattung
des Hostsystems.
In einem Unternehmen ist es oft so, dass mehrere physikalische
Server für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden, darunter zum
Beispiel auch Terminalserver. Da die Rechenleistung moderner Server
immer weiter wächst, liegt es nahe, mehrere physikalische Server in
virtuelle zu konvertieren und auf nur einer einzigen
Hardwareplattform zu konsolidieren. So lassen sich beispielsweise
schwach ausgelastete Server energie- und somit kostensparend
betreiben.
Es wurde bereits an einem Beispiel gezeigt, wie viele Benutzer
gleichzeitig per Thin Client auf einem Terminalserver arbeiten
können. Diese Zahl ist nicht sehr hoch, aber mit Hilfe der
Virtualisierung lässt sie sich vervielfachen. Bei einer größeren
Anzahl von Clients müssen mehrere bzw. viele Terminalserver
eingesetzt werden. Mit entsprechender Hardware könnte man
beispielsweise vier Terminalserver auf einer einzigen Plattform
konsolidieren und hat somit die maximale Benutzeranzahl pro
physikalische Maschine vervierfacht.
Wenn man nun davon ausgeht, dass niemals alle Benutzer gleichzeitig
die komplette Rechenleistung verbrauchen, kann man sogar noch mehr
virtuelle Terminalserver einbinden. Auf einem Server mit vier
Dual-Core-CPUs könnte man problemlos fünfzig oder sechzig Benutzer
arbeiten lassen. Dafür wären im Normalfall etwa sieben bis acht
vollwertige Server nötig.